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Kompressionsstrümpfe: So gehen Sie richtig damit um

Kompressionsstrümpfe erleichtern den Venen die Arbeit. Doch sie sind bisweilen unbequem, die Haut kann darunter jucken und sie lassen sich schwer anziehen. Tipps gegen typische Probleme
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 15.03.2017

Kompressionsstrümpfe sehen heutzutage nicht immer "altbacken" aus – ganz im Gegenteil!

iStock/Mediaphotos

Wer an einer Venenschwäche leidet, eine Thrombose hatte oder sich davor schützen muss, bekommt vom Arzt häufig Kompressionsstrümpfe verordnet. Denn sie gehören zur Standardtherapie. Doch nicht jeder freundet sich sofort mit den Strümpfen an: Manchmal rutschen sie, manchmal sind sie unerträglich eng, sie lassen sich schwer anziehen oder passen nicht zum Outfit. Mit ein paar Kniffen bekommen Sie die meisten Probleme jedoch in den Griff!

Was bewirkt ein Kompressionsstrumpf?

Wie die Bezeichnung Kompression schon andeutet, üben die Strümpfe Druck aus. Sie sind sehr feinmaschig gewebt und pressen, wenn Sie sie angezogen haben, die Venen in den Beinen zusammen. Dadurch können die Venen das Blut wieder effektiver in Richtung Herz transportieren. Außerdem sackt im Laufe des Tages weniger Flüssigkeit ins Gewebe ab, Knöchel und Beine schwellen nicht mehr an. Ihre Wirkweise macht Kompressionsstrümpfe ein wenig unbequem.

Warum nimmt die Apotheke oder das Sanitätsgeschäft Maß, bevor ich die Strümpfe bekomme?

Weil die Strümpfe nur helfen, wenn sie perfekt sitzen. Sie müssen dazu Hose und Socken ausziehen und beide Beine nacheinander auf ein Maßbrett legen. Die Apothekerin oder Fachberaterin nimmt dann mit einem Band an verschiedenen Stellen des Beines Maß und trägt die Werte in eine Tabelle ein. Entsprechen Ihre Maße einer bestimmten Konfektionsgröße, können Sie die Strümpfe gleich mitnehmen oder sich welche bestellen lassen. Passen Ihre Beine nicht zu einer Konfektionsgröße müssen die Strümpfe für Sie extra angefertigt werden. Tipp: Gehen Sie morgens zum Anmessen, denn da sind Ihre Beine noch nicht angeschwollen!

Wie ziehe ich die Strümpfe richtig an und aus?

Das sehen Sie hier in unserer Bildergalerie.

Tipp: Es gibt spezielle Handschuhe, die an der Unterseite mit Noppen ausgestattet sind. Sie erleichtern das Anziehen, weil Sie damit den Stoff besser fixieren können. Zusätzlich gibt es Anziehhilfen, über die Sie den Strumpf stülpen können und den Fuß einfach hineinstellen. Sie empfehlen sich zum Beispiel, wenn Ihnen das Bücken schwerfällt. Zudem können Sie sich Strümpfe verschreiben lassen, die an den Fußzehen offen sind. Solche Strümpfe lassen sich – mit Hilfe spezieller Gleitsocken – leichter anziehen. Der Hilfssocken wird anschließend herausgezogen.

Was ist, wenn sie rutschen oder mir zu eng vorkommen?

Rutschen die Kompressionsstrümpfe, haben Sie sie womöglich falsch angezogen. Lassen Sie sich die Prozedur noch mal genau erklären. Haben Sie das Gefühl, die Strümpfe sitzen zu straff, sollten Sie dies mit dem Arzt besprechen. Sofern aus seiner Sicht nichts dagegen spricht, können Sie vielleicht welche aus einer niedrigeren Kompressionsklasse tragen. Es gibt vier dieser Klassen, von I bis IV. Je höher die Klasse, desto stärker presst der Strumpf die Venen zusammen. Es kann aber auch sein, dass Sie beim Anpassen der Strümpfe dickere Beine hatten.

Wie pflege ich Kompressionsstrümpfe am besten?

Waschen Sie sie täglich. Das klingt aufwändig, ist aber einerseits aus hygienischen Gründen unerlässlich. Andererseits erhalten Sie durch das Reinigen die Spannkraft des Strumpfes. Waschen Sie diese per Hand oder bei 30 Grad im Schongang. Tipp: Sie können sich bei der ersten Verordnung zwei Strümpfe verschreiben lassen. Dann können Sie diese abwechselnd tragen und waschen. Ziehen Sie die Strümpfe am besten mit Noppenhandschuhen (siehe Bildergalerie) an. Das schützt auch das Material. Niemals die Strümpfe am Ende zerschneiden, damit sie bequemer werden! Dann bewirken sie nichts mehr.

Meine Haut juckt darunter. Weshalb?

Da Sie die Kompressionsstrümpfe den ganzen Tag anhaben müssen, trocknet die Haut darunter leichter aus. Trockene Haut juckt. Reiben Sie die Beine deshalb abends vor dem Schlafengehen mit einer feuchtigkeitsspendenden Creme ein. Allerdings nicht morgens, wenn Sie anschließend die Strümpfe anziehen. Erstens halten diese dann weniger gut, zweitens kann es zu Hautreizungen kommen. Hinweis: Hartnäckiger Juckreiz kann auch andere Ursachen haben. Dies sollte ein Arzt abklären.

Wie lange darf ich die Strümpfe tragen?

Experten sagen, dass ein Kompressionsstrumpf ungefähr ein halbes Jahr hält. Dann sollten Sie sich – sofern nötig – neue verordnen lassen.

Sehen sie immer so unvorteilhaft aus?

Nein! Es gibt nicht nur hautfarbene Strümpfe, sondern inzwischen Stoff in diversen modischen Farben. Oberschenkelstrümpfe haben eine Spitzenverzierung am Strumpfende – wenn Ihnen das gefällt. In der Apotheke oder im Sanitätshaus können Sie sich die Farbpaletten und Varianten an Mustern ansehen und auswählen.

Worin unterscheiden sich Kompressionsstrümpfe von Stützstrümpfen?

Stützstrümpfe wirken deutlich schwächer. Sie reichen nicht aus, wenn Sie bereits eine Venenschwäche oder dergleichen haben und Ihr Arzt Kompressionsstrümpfe verordnet hat. Stützstrümpfe haben lediglich einen vorbeugenden Effekt. Haben Sie hin und wieder leicht angeschwollene Knöchel, weil Sie lange stehen oder sitzen müssen, dann können die Strümpfe helfen. Auch auf Langstreckenflügen empfehlen sie sich. Wichtig: Haben Sie öfters dicke Beine oder Knöchel, dann lassen Sie dies von einem Arzt abklären.



Bildnachweis: iStock/Mediaphotos, W&B/Martina Ibelherr

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